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Internationale Vereinigung für Maltesische Linguistik in Bremen gegründet

lgouni-b.gifWährend der ersten internationalen Tagung zur maltesischen Sprachwissenschaft wurde am 19. Oktober 2007 der Bremer Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Stolz zum Vorsitzenden der neu gegründeten Internationalen Vereinigung für Maltesische Linguistik (GHiLM) gewählt.


Welche Sprache spricht man eigentlich in der Republik Malta?

In der Repulik Malta spricht man Maltesisch, eine eigenständige Sprache, die aus dem Kontakt des Arabischen mit dem Italienischen hervorgegangen ist. Zwar ist über diese Sprache wenig bekannt, sie ist aber 2004 in den Rang einer offiziellen Arbeitssprache der Europäischen Union erhoben worden.

Malti am der Universität Bremen

An der Universität Bremen gibt es eine mehr als zehnjährige Tradition des Maltesischen in Forschung und Lehre. Nun wird in Bremen darüber nachgedacht, Experten für die Sprache - und eventuell auch für Kultur, Geschichte, Gesellschaft und Wirtschaft - des neuen EU-Mitgliedes auszubilden, da hierfür bereits eine Nachfrage besteht, die von Malta allein aus nicht mehr zu bewältigen ist:

Jedes europäische Dokument muss ins Maltesische übersetzt werden, jedes maltesische Dokument wiederum in jede der anderen europäischen Arbeitssprachen. Dafür müssen Fachsprachen entwickelt, Übersetzer und Dolmetscher ausgebildet und logistische Grundlagen geschaffen werden, die zu einem Großteil noch nicht bestehen.

Auf Malta selbst kümmert sich der maltesische Sprachrat (Il-Kunsill tal-Ilsien Malti) um den Ausbau der Sprache und die Wahrnehmung ihrer sprachpolitischen Rechte.

GHiLM - Internationale Vereinigung für Maltesische Linguistik

Diese neue Gesellschaft fungiert als Organisation, die ein internationales Netzwerkes der mit dem Maltesischen befassten Wissenschaftler schaffen will. Die GHiLM hat momentan 43 Mitglieder aus insgesamt 14 Staaten. Thomas Stolz geht davon aus, dass die Zahl der Mitglieder der Gesellschaft binnen eines Jahres auf 100 erhöht werden kann. Denn die Zahl der Sprachwissenschaftler, die sich mit dem Maltesischen beschäftigen, sei weitaus größer, als man glauben sollte. Das liegt vor allem an der großen Bandbreite von Themen, zu denen beim Maltesischen noch erhöhter Forschungsbedarf besteht.

Darüber hinaus ist die Erforschung des Maltesischen für die Allgemeine Sprachwissenschaft von großem Interesse, weil die besonderen Eigenschaften dieser Sprache als ideale Überprüfungsmöglichkeit für viele Sprachtheorien fungieren können.

Der Vorstand der Gesellschaft will in diesem Sinne die Koordination gemeinsamer Projekte und ganz generell den linguistischen Gedankenaustausch zum Maltesischen aktiv fördern.

Die primäre Aufgabe besteht darin, die über die ganze Welt verteilten Maltesisch-Forscher zusammen zu führen und den Nachweis zu erbringen, dass das Maltesische eine eigene Disziplin verdient.

Das Bremer Engagement für das Maltesische resultiert daraus, dass die Linguisten hier seit jeher ein Augenmerk auf besonders intensive Sprachkontaktsituationen haben, die die Grenzen und Möglichkeiten der gegenseitigen Beeinflussung von Sprachen aufzeigen helfen.

Zu den Paradebeispielen der Kontaktlinguistik gehört das Maltesische, ohne jedoch bisher wirklich intensiv auf seine Merkmale hin ausgelotet worden zu sein. Das ist eine Aufgabe für die neue Linguistik-Gesellschaft.

Im Vorstand sind noch vetreten: Bernard Comrie (Leipzig), einer der führenden Linguisten unserer Zeit, der Mitte der 80er Jahre mit seinen Publikationen das Maltesische erstmalig in den Gesichtskreis der Linguisten geführt hat; Manwel Mifsud (Malta), der nicht nur der Vorsitzende des maltesischen Sprachrates ist, sondern auch dem Institut für Maltesisch der Universität Malta vorsteht; Ray Fabri (Malta), der das Institut für Linguistik der Universität Malta vertritt; Martine Vanhove (Villejuif), die Sektionsdirektorin am Centre National de la Recherche Scientifique in Frankreich und Vorsitzende des Internationalen Verbandes für Arabische Dialektologie ist.

Die Gründung der Gesellschaft und die Bremer Tagung waren so erfolgreich, dass im Frühjahr 2009 die nächste Tagung stattfindet - wieder in Bremen. “Das ist ein Vertrauensbeweis für unsere Arbeit”, ist Thomas Stolz zufrieden.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Sprach- und Literaturwissenschaften
Prof. Dr. Thomas Stolz

Tel.: 0421-218 7565
eMail: stolz (at) uni-bremen.de


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